Frage an: Cecilia Cristellon


Welche Funktion erfüllten Pilgerzeichen?

Pilgerfahrten förderten die Herstellung spezieller Objekte, die Einkünfte für Heiligtümer und lokale Bevölkerung brachten. Besonders wichtig waren Pilgerzeichen. Diese Plaketten aus Metall zeigten je nach Wallfahrtsort unterschiedliche Darstellungen und wurden mit Ösen an Kleidung oder Hut befestigt. Sie dienten sowohl Andacht wie Erkennung: Jeder Ort hatte seine eigene Form, etwa die Jakobsmuschel für Santiago oder die Palme für Jerusalem. Der Verkauf wurde durch das Heiligtum genehmigt, das Eigentum an den Druckformen und einem Teil der Einnahmen beanspruchte. Vertrieben wurden sie nahe den Stätten, in Kirchen oft von Frauen. 

Mit Reliquien in Berührung gebracht, konnten die Abzeichen selbst zu Reliquien werden, die man aufbewahrte, verschenkte oder zu Heilzwecken weiterverkaufte. In Flüssigkeiten getaucht, galten Pilgerzeichen als Heilmittel. Die hölzernen Abzeichen aus Loreto dienten als Stempel – und sogar als Tätowierwerkzeug.  Andere Abzeichen wiederum enthielten Spiegelstücke, um Abbilder heiliger Reliquien einzufangen – eine Technik, die Johannes Gutenberg vor seiner Drucktätigkeit massenhaft produzierte. 

Die Insignien hatten zudem Beweiskraft bei Stellvertreterpilgerschaften, also Pilgerfahrten, die anstelle einer anderen Person unternommen wurden, oder bei Sühnegängen, ermöglichten Vergünstigungen unterwegs und erfüllten eine rechtliche Funktion: Sie wiesen die Person als Pilger aus und erleichterten ihr so den Aufenthalt in fremden Territorien. Und selbstverständlich führten Herstellung und Vertrieb der Zeichen zu Konkurrenz, Nachahmungen und Fälschungen.