Erläuterungen zu den Amuletten (Plakat 2.1)

Ungeöffnetes Breverl (1)

Breverls stellen gefaltete Segenszettel dar. Meist sind auf ihnen hochklappbare Heiligenbilder aufgeklebt, die ein Gnadenbild einrahmen. Häufig finden sich unter den Heiligenbildern weitere Bestandteile wie zusätzliche Segenszettel, Kreuze oder Schabmadonnen. Breverls wurden in Stofftäschchen oder Silberhülsen aufbewahrt; z. T. heißt es, dass die Segen ihre Wirksamkeit verlören, wenn die Hülle – außerhalb äußerster Notfälle – geöffnet würde. Sie wurden als Anhänger getragen, konnten aber auch in Kleidung eingenäht oder in die Wiege gelegt werden. Letztere Verwendungen liegen bei dem hier gezeigten Stück nahe, da es keine Aufhängung aufweist.

Korallenanhänger (3)

Nicht nur die Infantin Anna Maria Mauricia wird durch einen Korallenast (in der Hand) geschützt: Gemälde zeigen immer wieder das Jesuskind mit einem Anhänger aus Koralle. Wohl durch ihre an Blut erinnernde Farbe galt Koralle bereits in der Antike als unheilabwehrend.

Dort nimmt vermutlich auch die Tradition ihren Ursprung, speziell Kinder durch Korallenamulette
zu schützen. Während stark verästelte Anhänger den Lebensbaum symbolisieren können, lassen sich schlichtere auch als Lutscher begreifen. Das passt auch zu der Auffassung, dass Koralle – neben vielem anderen – gut für die Zahngesundheit sei.

Caravaca-Kreuz Spanisches Kreuz (4)
Kreuze unterschiedlichster Art waren als Anhänger verbreitet und mit speziellen Bereichen verbunden. Kreuze mit doppelten Querbalken und distelartigen Aus- buchtungen an den Enden waren dem Kreuz im spanischen Caravaca (Murcia) nachempfunden. Ihm wurde eine zentrale Rolle bei der wundersamen Bekehrung eines arabischen Herrschers zugeschrieben. Caravaca-Kreuze wurden im deutschsprachigen Raum Anfang des 17. Jahrhundert populär und sollten Leib und Leben, aber auch die Ernte vor Unwetter schützen. Durch seine Bedeutung für die Mission verbreitete sich das Kreuz auch in außereuropäischen Territorien.

Stilisierter Haifischzahn „Natternzunge“ (5)
Fossile Haifischzähne galten lange als versteinerte Natternzungen. Über ein Getränk gehalten, sollten sie Hinweise auf mögliche Giftstoffe geben.

Hexenstein Lochstein (6)
Steine mit einer natürlichen Perforation wurden bereits im Neolithikum als Schmuck getragen. Auch im späteren Heilglauben kam ihnen eine magische Bedeutung zu. Ein Blick durch das Loch sollte vor Augenleiden schützen und das Tragen des Amuletts den bösen Blick abwehren.

Anhänger für ein Damen-Charivari (7)

Ähnlich wie Fraisenketten kombinieren Charivaris mehrere unheilabwehrende Amulette. Sie weisen einen engen Bezug zur Jagd auf und werden bis heute von Erwachsenen, insbesondere Männern getragen. Für Frauen gibt es spezielle Damen-Charivaris. Der hier gezeigte Kompositanhänger verbindet den Halb- edelstein Zitronit mit zwei christlichen Symbolen: einem Georgstaler und einer Madonna in einer Walnuss: Münzen mit dem Heiligen Georg galten spätestens seit dem frühen 17. Jahrhundert als Schutz gegen Kugeln und verbreiteten sich besonders als Reiter- und Reiseamulette. Die Einbettung der Marienfigur in eine Nuss kann einerseits die Intimität im Moment der Betrachtung erhöhen; andererseits mag die Walnuss Reminiszenzen einer magischen Aufladung aufweisen: Nach dem Prinzip der Formenanalogie galten Walnüsse in der Frühen Neuzeit als Heilmittel für das Gehirn.

Nepomukszunge (8)

Der Heilige Johannes von Nepomuk ist u. a. Patron des Beichtgeheimnisses: Als sein Grab 1719 geöffnet wurde, fand man die Zunge angeblich unversehrt vor. Entsprechend sollen Nepomukszungen Verschwiegenheit wahren und vor Ver- leumdung schützen.

Pomander (9)

Duftamulette wie Pomander bzw. Bisamäpfel beinhalteten Duftstoffe, die Dämonen vertreiben sollten. Seltene, importierte Duftstoffe unterstrichen zugleich den Status einer Person. Neben schlichten, dem hier gezeigten Duftamulett nicht unähnlichen Pomandern, gab es auch aufwendige, die beim Öffnen in mehrere Segmente für unterschiedliche Düfte zerfielen.