Mit Rosenkranz und Schabmadonna. Religiöse Alltagsbegleiter der Neuzeit im Dialog

Eine Ausstellung der Schnittstelle Religion im hisTorischen seminar der Goethe-Universität

Religionen blicken auf das, was jenseits der sichtbaren Welt liegt. Die meisten wünschen sich von ihnen aber auch Hilfe bei Problemen des Alltags: Im christlichen Europa kondensierten diese Hoffnungen lange in „geistlichen Hausapotheken“: Ohne feste Regeln zusammengestellt, beinhalteten sie bis ins 20. Jahrhundert hinein religiöse und religionsinspirierte Objekte, von denen man sich Linderung bei körperlichen, aber auch seelischen Leiden versprach.

Viele Bestandteile geistlicher Hausapotheken waren unmittelbar mit dem Christentum verbunden – doch bei weitem nicht alle

Andachtsbilder konnten sich Seite an Seite mit in Schlangenblut getränkten Seidenfäden finden. 

So eigenwillig die Zusammensetzung geistlicher Hausapotheken heute scheinen mag:

Wäre es nicht auch als säkularer Mensch bisweilen schön, in einen solch universalen Arzneischrank greifen zu können?

Mit dieser Sehnsucht hat sich die bildende Künstlerin Eva Ulm auseinandergesetzt und eine weltliche hausapotheke geschaffen: ein Konglomeratkleinformatiger Kunstobjekte, die ihre Inspiration in den Bestandteilen spiritueller Hausapotheken finden, diese aber „weltanschaulich neutralisieren“ und in eine moderne Formensprache übersetzen.

Angeregt von Eva Ulms Werken blickt die Ausstellung auf „religiöse Alltagsbegleiter“. Hierunter verstehen wir individuell bewegbare und mit der persönlichen Lebensweltverschränkbare, religionsbezogene Gegenstände. Dabei stehen christliche Objekte der Neuzeit im Zentrum. In fünf Stationen werden die historischen Bezüge der weltlichen hausapothekeaufgegriffen und angrenzende Themen entwickelt.Unvertraute Objekte wie Schabmadonnen und Schluckbilder kommen ebenso in den Blick wie das bis in die Popkultur verbreitete und doch in seiner Geschichte hoch politische flammende Herz Jesu.

Und wenn manche der Bedeutungszusammenhänge heute fremd scheinen: Fühlt man sich bisweilen nicht doch anzeitgenössische Achtsamkeitstechniken, moderne Nahrungsergänzungsmittel und ein ganz gegenwärtiges Schwanken zwischen Individualisierungsbedürfnis und Massenprodukt erinnert? Wie weit tragen diese Ähnlichkeiten?

Ab Februar 2026 im Historischen Seminar der Goethe-Universität.

Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Birgit Emich, Prof. Dr. Xenia von Tippelskirch

Kuratorin: Louise Zbiranski